Krebsfrüherkennung bei HIV-Patienten

Menschen mit HIV

HPV-Krebsfrüherkennung

Anlässlich des Welt AIDS Tages:

Neue Chancen durch blutbasierte Diagnostik

Am 1. Dezember erinnert der Welt-AIDS-Tag daran, dass die HIV-Pandemie auch heute noch nicht vorbei ist. Vor allem das erhöhte Risiko für Karzinome im Anogenitalbereich von HIV-positiven Patienten stellt Behandler häufig vor ein Problem. Erfahren Sie mehr zur möglichen Ursache und wie ein Tumormarker die Krebsfrüherkennung bei HIV-Patienten verbessern kann.

Neue Herausforderung in der Betreuung von HIV-Patienten

Dank großer Fortschritte in der medizinischen Versorgung, insbesondere dem breiten Einsatz antiretroviraler Therapien (ART), ist die Lebenserwartung von HIV-positiven Patienten signifikant gestiegen. Doch mit dem Erreichen eines höheren Alters haben HIV-positive Patienten und deren Ärzte mit neuen gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen. So zählen Krebserkrankungen inzwischen zu den häufigsten Todesursachen bei HIV-Infizierten.1

Deutlich erhöhtes Risiko für Analkarzinom
Hierbei wird insbesondere eine Zunahme von nicht AIDS-definierenden gegenüber den AIDS-definierenden Neoplasien beobachtet.2 So ist in den vergangenen Jahren die Inzidenz von Neoplasien in der Anogenitalregion trotz ART kontinuierlich gestiegen.3 Vor Einführung der antiretroviralen Therapie entwickelten von 100.000 HIV-positiven Patienten 8,2–35,4 ein Analkarzinom. Inzwischen ist diese Zahl auf 59,4–96,2 angestiegen. Auch nach Diagnosestellung haben HIV-positive Patienten schlechtere Aussichten als HIV-negative Krebspatienten: Die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Analkarzinomdiagnose beträgt bei HIV-positiven nur ein Viertel der Überlebensrate von HIV-negativen Patienten.4

Persistierende HPV-Infektion als Übeltäter?

Wie Gebärmutterhalskrebs wird auch Analkrebs vorwiegend durch eine Infektion mit Hochrisikotypen des Humanen Papillomvirus (HPV) verursacht. Dabei ist HPV16 für über 80 % der HPV-induzierten Analkarzinome verantwortlich.5 In den meisten Fällen werden HPV-Infektionen vom Immunsystem beseitigt und können nach 1–2 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden. In einigen Fällen allerdings persistiert die Infektion und kann zur malignen Transformation der infizierten Plattenepithelzellen führen. HIV-positive Patienten weisen häufiger solche persistierenden HPV-Infektionen auf und zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine 60-fach erhöhte Inzidenz von intraepithelialen Dysplasien des Anus.6 Analog zum Zervixkarzinom wird vermutet, dass diese HPV-verursachten Analläsionen Vorstufen des Analkarzinoms darstellen und dass eine frühe Erkennung und Behandlung dieser Vorstufen der Entstehung eines Analkarzinoms vorbeugen kann.

Früherkennung von Analkarzinomen: Was sagen die Guidelines?

Aufgrund des steigenden Risikos, an einem Analkarzinom zu erkranken, empfiehlt die Deutsch-Österreichische AIDS Gesellschaft regelmäßige Untersuchungen der Anogenitalregion bei HIV-Patienten. Die hochauflösende Anoskopie gilt zwar als Goldstandard für das Auffinden von analen intraepithelialen Neoplasien (AIN), doch ist sie kostspielig, arbeitsaufwendig und nicht jede Praxis verfügt über die nötigen Geräte und Erfahrung in der Proktologie. Aus diesem Grund empfiehlt die AIDS Gesellschaft stattdessen den Einsatz der analen Zytologie („analer Pap-Abstrich“) in Kombination mit Palpation und visueller Inspektion.7 Diese Methoden sind günstig und flächendeckend verfügbar und können so effizient in einem Screening-Setting eingesetzt werden.

Doch Achtung…
Die Sensitivität der analen Zytologie für AIN liegt bei ca. 69-93 %, die Spezifität bei nur 32-59 %, es ist also mit vielen falsch-negativen und falsch-positiven Ergebnissen zu rechnen.4 Des Weiteren erfordern diese Methoden eine rektale Untersuchung, die vielen Patienten unangenehm ist und so einige von den Früherkennungsmaßnahmen abschreckt.

Verbesserte Chancen dank blutbasierter Diagnostik für HPV-induzierte Tumore

Da HIV-Patienten bei ihren regulären Kontrolluntersuchungen Blut abgeben, wäre auch eine blutbasierte Früherkennung von HPV-induzierten Karzinomen denkbar. Diese Möglichkeit bietet der Prevo-Check® – ein neuer Schnelltest, der HPV16-spezifische Antikörper (sog. „DRH1 Antikörper-Äquivalente“) nachweist. Diese Antikörper richten sich gegen ein Protein, welches erst gebildet wird, wenn eine HPV Infektion in die Zellteilung eingegriffen hat. In einer kürzlich publizierten retrospektiven Studie wurde gezeigt, dass 90 % der getesteten HIV-positiven Patienten mit Analkarzinom bereits im Jahr vor der Krebsdiagnose Prevo-Check®-positiv waren.8 Bei HPV-induzierten Oropharynxkarzinomen war der Test sogar in 95 % der Fälle positiv. In einer Kontrollgruppe von 895 gesunden Probanden gab es dagegen nur wenige positive Ergebnisse und der Test erzielte eine Spezifität von > 99,3 %.

  1. Smith CJ et al. Trends in underlying causes of death in people with HIV from 1999 to 2011 (D:A:D): A multicohort collaboration. Lancet 2014;384(9939):241-248.
  2. Engels EA et al. Cancer risk in people infected with human immunodeficiency virus in the United States. Int J Cancer 2008;123(1):187-194.
  3. Deshmukh AA et al. Recent Trends in Squamous Cell Carcinoma of the Anus Incidence and Mortality in the United States, 2001–2015. JNCI J Natl Cancer Inst 2019;112:1-10.
  4. Leeds IL. Anal cancer and intraepithelial neoplasia screening: A review. World J Gastrointest Surg 2016;8(1):41.
  5. Alemany L et al. Human papillomavirus DNA prevalence and type distribution in anal carcinomas worldwide. Int J Cancer 2015;136(1):98-107.
  6. Frisch M et al. J. Human papillomavirus-associated cancers in patients with human immunodeficiency virus infection and acquired immunodeficiency syndrome. J Natl Cancer Inst 2000;92(18):1500-1510.
  7. Esser S et al. German-Austrian guidelines on anal dysplasia and anal cancer in HIV-positive individuals: prevention, diagnosis, and treatment. JDDG J der Dtsch Dermatologischen Gesellschaft 2015;13(12):1302-1319.
  8. Weiland T et al. DRH1 – a novel blood-based HPV tumour marker. EBioMedicine 2020;56:102804.